Arbeiten in der Kreuzfahrtbranche – Cruise Talk on Board

AIDA Cruises und die EBC Hochschule haben zum zweiten EBC Cruise Talk on Board auf dem neuen Flagschiff AIDAprima eingeladen. Das Thema der diesjährigen Veranstaltung war „Kompetenz an Deck! – Wen die Kreuzfahrt wirklich braucht“, um Einblicke in die Karrieremöglichkeiten bei AIDA Cruises zu geben. Mit elf Kreuzfahrtschiffen, einer boomenden Passagierzahl und zahlreichen neuen Schiffen in den nächsten Jahren, sucht AIDA Cruises, wie auch die anderen Reedereien, nach qualifiziertem Nachwuchs. Zudem bietet die EBC Hochschule am Campus Hamburg seit 2016 den Zertifikatskurs „Cruise Management“ an, um Zusatzqualifikationen für die Kreuzfahrtbranche zu erlangen. Wie sollte man den Studenten die Kreuzfahrtbranche näher bringen, als auf einem Kreuzfahrtschiff?

Es gab Referenten aus den Abteilungen Guest Service, Entertainment und HR von AIDA Cruises. Außerdem waren auch die Professorin für Tourismus- und Eventmanangement der EBC Hochschule, ein General Manager von Sartori & Berger und der Chefredakteur des Schiffreisen-Magazins anwesend.

Die wichtigste Frage war natürlich, was qualifiziert Menschen für eine Karriere in der Kreuzfahrt?

Darauf hatten die Referenten ganz gezielte Antworten: Belastbarkeit, Flexibilität, soziale Kompetenz und Kundenorientierung – stets ein Lächeln – sollte man mitbringen. Den Umgang mit Menschen muss man mögen. Denn das Wichtigste ist es, den Gästen einen tollen und unvergesslichen Urlaub zu ermöglichen. Jeder Passagier ist nur für eine kurze Zeit an Bord und diese Zeit muss perfekt sein. Daher ist es auch wichtig, noch am gleichen Tag eine Lösung für jedes Problem zu finden.

Wie sieht die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff eigentlich aus?

Meistens ist man für 4 Monate an Bord. Unterkunft und Verpflegung an Bord erhält man kostenfrei. In dieser Zeit kann man natürlich nur über soziale Medien und Instant-Messaging-Dienste wie Whatsapp, Instagram oder Facebook mit Freunden und Familie in Kontakt bleiben. Aber man hat auf dem Schiff ein neues Zuhause, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Denn auf See ist jeder vom anderen abhängig. Streitigkeiten und Ärger können nicht einfach ignoriert werden. Den Chef sieht man ja schließlich nicht erst am nächsten Tag wieder und man kann nicht einfach „zuhause abschalten“. Ganz im Gegenteil, man lernt an Bord mit solchen Dingen umzugehen. Die Zusammengehörigkeit auf See kompensiert sogar oft das Heimweh, denn an Bord ist immer was los. Man lebt und arbeitet nicht mehr in Tagen, sondern in Häfen. Heute ist nicht Dienstag, heute ist Anlegetag in Rotterdam. Und man rechnet auch nicht nur mit Arbeitszeiten, sondern auch mit Ruhezeiten gemäß festgelegten Standards und Regularien der international geltenden Maritime Labour Convention.

Kann man nur an Bord arbeiten?

Nein, natürlich gibt es auch viele Jobs an Land. Es gibt auch viele Personen, die nach einigen Jahren an Bord ihr Glück an Land versuchen. Die Erfahrungen an Bord können den Jobeinstieg an Land erleichtern. Denn Belastbarkeit, Flexibilität und Kundenorientierung sind überall von höchster Bedeutung. So gibt es zum Beispiel auch bei Sartori & Berger Jobs an Land. Sie sind unter anderem für die Gästebetreuung am Flughafen, Bahnhof und beim Shuttle zuständig und arrangieren auch Landausflüge und Touren,  indem sie Dienstleistungen Dritter einkaufen. Es gibt also viele Berufsfelder zu entdecken.

Wie könnte die Zukunft in der Kreuzfahrtbranche aussehen?

Es gibt viele Spekulationen und sogenannte „Spinnereien“ zur Zukunft auf den Kreuzfahrtschiffen. Unter anderem könnte Unterhaltung in Form von TV-Formaten an Bord an Bedeutung gewinnen. So gibt es beispielsweise bereits eine „Wer Wird Millionär“ und „The Voice“ Show an Bord von AIDA Cruises. Aber auch virtuelle Welten und das Thema Digitalisierung könnten an Bedeutung zunehmen. Ein einfacher Check-in mit mehr Fokus auf die digitale Rezeption und den digitalen Service könnte ein Zukunftsmodell sein. Ganz sicher ist nur, dass mit mehr Schiffen auch der Bedarf an Personal steigt. Die Kreuzfahrtbranche ist definitiv die Wachstumsbranche der Zukunft. Und mit immer mehr Kreuzfahrtschiffen und Passagieren wird es wichtig, neue Häfen zu erschließen und erlebnisreiche Ausflüge zu organisieren und anzubieten. Wir sind uns sicher, es gibt in Zukunft noch viel zu tun!

Was sagt ein Insider zum Thema Arbeiten an Bord?

Wir haben den Reise- und Kreuzfahrtblogger Daniel Dorfer vom Fernwehblog befragt, wie er die Arbeit an Bord eines Kreuzfahrtschiffes empfunden hat. So wie viele andere, hatte er den Traum auf einem Schiff zu arbeiten und es hat auch geklappt! Er hat bereits auf einem Kreuzfahrtschiff als DJ gearbeitet und dabei viele spannenden Erfahrungen gemacht. Denn Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff ist nicht nur Spaß, Reisen und jeden Tag den Blick auf das Meer genießen. Es gehört wesentlich mehr dazu.

Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff ist für viele Menschen eine fantastische Vorstellung:

Ständig ist man unterwegs, sieht die schönsten Reiseziele weltweit und verdient dabei auch noch Geld mit Passagieren die Spaß haben wollen und gut drauf sind. Doch das ist nicht alles. 117 Tage war ich als DJ auf einem Kreuzfahrtschiff. Das spätsommerliche Mittelmeer und die Karibik im Winter waren meine beiden Einsatzgebiete. Klingt traumhaft, oder?

Doch viel Zeit bleibt einem nicht das zu genießen, die meiste Zeit ist man im Einsatz für den Gast auf Kreuzfahrt, der leider nicht immer so gut gelaunt ist, wie man sich es erhofft und oft mit ganz bestimmten Vorstellungen von seinem Traumurlaub an Bord geht. Eine harte, aber auch lehrreiche Zeit. Selbst wenn der eigentliche Dienst wie in meinem Fall erst abends beginnt, findet man täglich Aufgaben die eine helfende Hand benötigen. So musste ich als DJ auf dem Spaßdampfer  u.a. auch Handtücher auf dem Pooldeck verteilen oder als Weihnachtsmann verkleidet für ein Foto mit den Gästen parat stehen. Dazu kommen gerade zu Beginn der Dienstzeit viele Unterweisungen in Sachen Sicherheit auf dem Schiff, trotz einwöchiger Ausbildung vorab an Land. Das ist aber auch gut so.

Natürlich kommt man auch ab und zu mal von Bord, aber die Zeit nutzt man dann doch eher um persönliche Besorgungen zu machen, eine Tasse Kaffee an Land zu genießen und kostenloses WLAN zu finden. Oder man ist als Notbesatzung auf dem Kreuzfahrtschiff eingeteilt und kümmert sich dann um die Wäsche und schläft vielleicht noch etwas – das trifft jeden einmal. Man lernt viel dazu und auch mal andere Bereiche kennen.

Der Zusammenhalt an Bord ist sehr hoch, gerade die einfachen Matrosen aus Indonesien und von den Philippinen sind fast immer gut gelaunt, auch wenn die Arbeit an Bord sehr anstrengend sein kann. Die Verpflegung und die ärztliche Versorgung der gesamten Mannschaft war gut, es mangelte uns allen an nichts.

Heimweh hatte ich persönlich kaum, denn meine Einsatzdauer als „Künstler“ an Bord war mit jeweils zwei Monaten relativ kurz. Anders ist das beim normalen Personal an Bord. Animateure, Barkeeper, Köche und Kellner aus europäischen Ländern sind mindestens fünf, meist sogar sechs Monate an Bord und manche sogar länger. Das Privatleben in dieser Zeit spielt sich meist zu zweit in einer kleinen Kabine im Bauch des Schiffes ab. Es gibt zwar kein Fenster, dafür aber einen Fernseher und wer möchte bekommt Internet gegen eine geringe Gebühr. Doch man kommt eh fast nur zum Schlafen und Duschen auf die eigene Kabine.

Alles in allem war es für mich eine schöne und vor allem lehrreiche Zeit, die ich nicht missen möchte. Ob ich es noch einmal machen würde? Sag niemals nie… das Fernweh war bei mir immer schon größer als das Heimweh! Darum bin ich jetzt auch Reise- und Kreuzfahrtblogger und erfülle mir so meinen Traum vom Reisen.

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Foto von Daniel Dorfer

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Foto von Daniel Dorfer

Könntet ihr euch vorstellen auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten? Oder habt ihr das sogar schon? Teilt eure Erfahrungen und Erlebnisse mit uns in den Kommentaren!

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