Das Flusskreuzfahrtschiff A-ROSA SENA in Köln
Willkommen an Bord der A-ROSA SENA
22. Februar 2026

Das Konzept YouDinner ist in Deutschland kein klassisches Restaurantformat, sondern ein kulinarischer Club, der bewusst außerhalb fester gastronomischer Orte agiert. Ursprünglich als Eventreihe entwickelt, bringt YouDinner Spitzenköche und Gäste an wechselnden Orten zusammen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Location, sondern die kuratierte Erfahrung eines Abends, der Kulinarik, Austausch und Inszenierung miteinander verbindet.

Mit der Zusammenarbeit mit nicko cruises wurde dieses Konzept auf den Fluss übertragen. An Bord der nickoSPIRIT entsteht so ein Format, das sich zwischen Dinner-Event und Kurzreise bewegt mit klarer Fokussierung auf die Küche. Das Schiff dient dabei nicht als klassisches Kreuzfahrtprodukt, sondern als Bühne für ein gastronomisches Erlebnis. Genau für dieses besondere Erlebnis gehen wir für eine Nacht an Bord der nickoSPIRIT.

Der Ablauf der Eventkreuzfahrt mit YouDinner

Die Einschiffung an Bord der nickoSPIRIT erfolgt am Nachmittag zwischen 16 und 17 Uhr in Köln, nur wenige Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof entfernt. Die zentrale Lage ist sehr praktisch. Bereits kurze Zeit nach dem Boarding legt die nickoSPIRIT zu einer abendlichen Rheinfahrt ab. Anders als bei längeren Kreuzfahrten bleibt etwas weniger Zeit für klassische Orientierungsphasen, denn das Programm ist klar auf den Abend ausgerichtet.

Die Kabinen können unmittelbar bezogen werden. In unserem Fall handelt es sich um eine Außenkabine auf Deck 3 (Kabine 316), ausgestattet mit einem absenkbaren Panoramafenster. Die Kabine ist sehr modern gestaltet mit Erdtönen, klaren Linien und einer warmen Ambientebeleuchtung. Der Fokus liegt weniger auf opulenter Ausstattung als auf einem ruhigen, zeitgemäßen Ambiente. Das Badezimmer ist ebenfalls modern und gut ausgestattet.

 

Um 18 Uhr beginnt der kulinarische Teil des Abends mit einem Aperitif und ersten Häppchen in der Lounge. Es folgt die offizielle Begrüßung durch die Schiffsleitung. Das ist ein klassisches Element der Kreuzfahrt, das hier jedoch eher als Übergang in den eigentlichen Programmpunkt dient. Währenddessen wird bereits sichtbar, worauf der Abend hinausläuft: Sonja Baumann und Erik Scheffler vom NeoBiota sind präsent und beginnen, die ersten Komponenten direkt vor den Gästen anzurichten. Die Zubereitung wird damit Teil des Geschehens und nicht hinter die Kulissen verlagert. Das ist ein Ansatz, der sich durch den gesamten Abend zieht.

Offizielle Begrüßung durch die Schiffsleitung und Vorstellung der Köche

Gegen 19 Uhr öffnet das Restaurant. Der Abend konzentriert sich von diesem Moment an vollständig auf das Dinner. Weitere Programmpunkte sind nicht vorgesehen; stattdessen geht das Essen später in einen offenen Ausklang in der Lounge über.

Die Rückkehr nach Köln erfolgt in der Nacht. Der folgende Morgen ist dem Frühstück und der Abreise gewidmet. Ein Ablauf, der den Eventcharakter unterstreicht und die kulinarische Erfahrung klar in den Mittelpunkt stellt.

Die Köche des YouDinners: moderne Sterneküche aus Köln

Für die kulinarische Gestaltung des Abends verantwortlich sind Sonja Baumann und Erik Scheffler vom NeoBiota. Das Restaurant zählt zu den innovativen Adressen der deutschen Spitzengastronomie und wurde mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Die Küche verfolgt einen Ansatz, der sich bewusst von klassischen Rollenverteilungen löst: Pflanzliche Produkte stehen im Zentrum, ergänzt durch punktuelle tierische Komponenten. Typisch für NeoBiota ist zudem der Einsatz von Fermentation, ungewöhnlichen Aromenkombinationen und eine klare, oft reduzierte Präsentation. Diese Handschrift prägt auch das Menü an Bord.

Ein wesentliches Element des YouDinner-Formats ist die Präsenz der Köche im Raum. Sonja Baumann und Erik Scheffler präsentieren ihre Gerichte persönlich und erläutern auch zum Teil deren Hintergründe. Diese Form der direkten Vermittlung reduziert die Distanz zwischen Küche und Gast und verändert die Wahrnehmung des Menüs.

Auftakt zum YouDinner: Regional und neu interpretiert

Bereits der Aperitif zeigt, wie das Küchenteam arbeitet. Die servierten Häppchen greifen bekannte Gerichte auf, interpretieren sie jedoch neu. Eine Miniatur-Bauernfrühstück-Waffel, eine Tartelette mit Bärlauch und Forelle aus der Eifel sowie eine Variation auf „Himmel un Ääd“ unter dem Titel „Armer Jan“ verbinden regionale Bezüge mit moderner Interpretation. Dazu wird ein Saumur Brut serviert, der mit seiner frischen, leicht mineralischen Art perfekt zum Einstieg passt. Die feine Perlage sorgt dafür, dass die einzelnen Komponenten der Häppchen gut zur Geltung kommen und macht direkt Lust auf mehr.

 

Diese ersten Gerichte fungieren weniger als klassische Vorspeise, sondern als konzeptioneller Auftakt. Überrascht hat uns zu diesem Zeitpunkt vor allem die klare Ausrichtung des Menüs: Der Abend steht unter dem Motto „plant based“. Eine Entscheidung, die man bei einem Fine-Dining-Event auf einem Schiff vielleicht nicht unbedingt erwartet, die aber sofort neugierig macht, wie dieses Konzept auf Sterneniveau umgesetzt wird.

Das YouDinner Menü: fünf Gänge mit klarer Linie

Im Zentrum des Abends steht ein Fünf-Gänge-Menü unter der Bezeichnung „Biota-Style & Plant-Based“. Es folgt keiner spektakulären Inszenierung, sondern entwickelt sich schrittweise in Struktur und Intensität.

Den Auftakt bildet eine Sonnenblumenkernpaté mit Magnolie und Topinambur. Der Gang arbeitet mit erdigen und nussigen Aromen, ergänzt durch florale Noten. Die Komposition bleibt zurückhaltend und setzt auf Balance statt Kontrast. Begleitet wird der Gang von einem Riesling aus der Pfalz, dessen Frische und präzise Säure dem Gericht Leichtigkeit verleiht.

Im zweiten Gang tritt die Aromatik deutlicher hervor. Walnuss und Maitake werden mit Kirsche, Sakura und einer Szechuan-Note kombiniert. Süße, Schärfe und Umami greifen ineinander und erzeugen ein vielschichtiges Geschmacksbild. Der Riesling greift dabei die fruchtigen Komponenten auf, ohne die kräftigeren Aromen zu überdecken.

 

Der dritte Gang, Kohlrabi mit Robinie und Hopfen, wirkt im Vergleich reduziert. Bitterstoffe und florale Elemente stehen im Vordergrund. Begleitet wird dieser Gang von einem Chardonnay Réserve, dessen dezente Holznoten und cremige Struktur dem feinen Aromenspiel zusätzliche Tiefe geben, ohne es zu dominieren.

Mit der Kaffeebete erreicht das Menü seinen markantesten Punkt. In Kombination mit Heidelbeermole und roten Bittersalaten entsteht ein Gericht, das stark auf Tiefe und Kontrast setzt. Der Kaffee sorgt für Intensität und eine unerwartete Erdigkeit, die im ersten Moment überrascht, aber sehr gut funktioniert. Der dazu gereichte Rotwein ist ein Mencía aus Galicien. Er passt hier besonders gut, da er genügend Struktur mitbringt, ohne schwer zu wirken.

Das Dessert geht schließlich einen ganz eigenen Weg. Pinienkernjoghurt, rote Bohne, konservierte Himbeeren und fermentiertes Brombeerblatt. Die Süße spielt hier nur eine Nebenrolle. Stattdessen stehen Säure, Fermentation und nussige Noten im Vordergrund. Ein Abschluss, der bewusst nicht klassisch ist, aber konsequent zum Menü passt und den Stil des Abends noch einmal klar zusammenfasst.

Unser Fazit

Das YouDinner bewegt sich zwischen mehreren Formaten. Es ist kein klassischer Restaurantbesuch, da Ort und Rahmen temporär sind. Gleichzeitig unterscheidet es sich deutlich von einer klassischen Kreuzfahrt, bei der Gastronomie nur ein Bestandteil eines umfassenderen Programms ist.

Stattdessen entsteht ein hybrides Konzept, das Elemente beider Bereiche kombiniert und auf einen klar definierten Zeitraum konzentriert. Die Reduktion auf einen Abend, kombiniert mit der besonderen Situation auf dem Fluss, führt zu einer Form des Genusses, die sich von klassischen Restaurantbesuchen unterscheidet und gerade dadurch ein besonderes Erlebnis ist. Uns hat das Konzept beeindruckt und zugleich fasziniert. Wir haben einen wundervollen Kurztrip mit einem kulinarischen Event auf dem Fluss erlebt, was wir jederzeit wiederholen würden.


Vielen Dank an nicko cruises für die Reise mit der nickoSPIRIT. Dieser Beitrag ist nicht gesponsert, wir berichten nur über unsere eigenen Eindrücke.

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